Die Gentechnik in der Landwirtschaft

Die Gentechnik in der Landwirtschaft

Das Streben der Landwirte nach modifizierten Pflanzenarten reicht mehrere Jahrtausende zurück. Zu Beginn wurde versucht, durch Kreuzung und Rückkreuzung von Pflanzen neue Arten zu erzeugen, die am Ende eine höhere Resistenz aufweisen und höhere Erträge bringen sollten. Heute werden Pflanzengattungen durch Eingriffe in deren Erbanlagen und eine neue Zusammensetzung der Gene dahingehend verändert, dass die daraus neu entstehenden Arten vorher festgelegte Eigenschaften aufweisen. Die sogenannte grüne Biotechnologie, wie die Gentechnik in der Landwirtschaft auch bezeichnet wird, arbeitet mit artgleichen Pflanzen, aber auch die Vermischung verschiedener Arten ist durchaus üblich.

Die Gründe für die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft sind heute vielfältiger als damals. Neben dem Jahrtausende alten Wunsch, Pflanzen resistenter zu machen und größere Ernten einzufahren spielt vor allem der Energiemarkt heute eine große Rolle. Aufgrund sinkender Erdölressourcen müssen Alternativen gefunden werden. Eine davon sind schnell nachwachsende Rohstoffe. Dafür müssen die Erntemengen optimiert und Resistenzen herbeigeführt werden, um Ernteausfälle weitgehend zu vermeiden. Nur dann können die Preise für nachwachsende Rohstoffe dem Wettbewerb standhalten. Zur Erfüllung dieser Bedingungen ist die Gentechnologie geradezu prädestiniert.

Die Gentechnik kann auch dazu beitragen, den Nährstoff- und Wasserhaushalt sowie die Speicherkapazität von Pflanzen deutlich zu erhöhen. Auch eine Verbesserung der Photosynthese wird durch gentechnische Eingriffe erzielt. Vor allem für Länder in der dritten Welt werden Nahrungsmittel mit Zusatznutzen entwickelt. Diese enthalten dann zum Beispiel bestimmte Vitamine, um einer Mangelernährung in den Entwicklungsländern vorzubeugen. Arzneimittel oder Impfstoffe werden in die Nahrungsmittel integriert, um die Gesundheit der Bevölkerung zu unterstützen. Diese Vorteile haben für die Entwicklungsländer allerdings auch eine Kehrseite, denn es könnte eine neue Abhängigkeit gegenüber den Industriestaaten entstehen, die ja gerade abgebaut werden soll.

Im Bereich der Schädlingsbekämpfung spielt die Gentechnik ebenfalls eine große Rolle. Transgene Viren oder Bakterien sollen die Basis für bessere biologische Maßnahmen gegen Schädlinge bilden. Diese biologischen Mittel sollen dabei helfen, die bei der Verwendung von Herbiziden nicht zu unterschätzenden Umweltbelastungen zu reduzieren. Die auf den Feldern angebauten transgenen Pflanzen werden dahingehend gentechnisch verändert, dass sie als einzige gegen die modernen Schädlingsbekämpfungsmittel resistent sind und beim Spritzen der Felder im Gegensatz zu den Unkräutern nicht geschädigt werden.

Ob Pflanzen oder Mikroorganismen, die gentechnisch verändert wurden, in der Verarbeitung von Lebensmitteln verwendet werden dürfen, bedarf einer Genehmigung des Berliner Robert-Koch-Instituts. Des Weiteren müssen Lebensmittel, die in irgendeiner Form gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, gekennzeichnet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Früchte oder Gemüse selbst gentechnisch manipuliert wurden oder ob Teile davon in bestimmten Lebensmitteln enthalten sind. Transgene Mikroorganismen, beispielsweise im Joghurt, müssen ebenfalls ausgewiesen werden. Auch die Kennzeichnung von gentechnisch behandeltem Saatgut wird strengstens überwacht.

Viele Verbraucher stehen der Gentechnik in Nahrungsmitteln sehr skeptisch gegenüber. (Der Einsatz der Gentechnik in der Medizin wird hingegen eher toleriert.) Die Kennzeichnungspflicht trägt dazu bei, dass die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen, ob die eigene Ernährung gentechnisch veränderte Nahrungsmittel enthalten soll oder nicht, gewahrt wird.

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